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Stendorf ist ein Ort mit einer 800jährigen Geschichte. Auf dieser Seite erfahren Sie die wichtigsten Eckdaten der Entwicklung Stendorfs - von damals bis heute.
Stendorf hat sich in den letzten 800 Jahren vom Rittergut zum landwirtschaftlichen Großbetrieb entwickelt. Die verschiedenen Eigentümer sowie das Zeitgeschehen prägten dabei maßgeblich die Entwicklung der Gutsanlage. Im Folgenden sind einige markante Stationen dieser Entwicklung dargestellt.
Im Jahr 1201 verkauft der Landesherr Graf Adolf III. von Schauenburg die Siedlung „Chuseresdorp“ (heute Kasseedorf) sowie den umliegenden, nur sehr dünn von Slawen besiedelten Urwald an das Johanniskloster zu Lübeck. Damit zählt Kasseedorf zu den ersten urkundlich erwähnten Dörfern des Bungsbergraumes. Von dort begannen die Benediktinermönche gemeinsam mit holländischen und westfälischen Siedlern den bis dahin undurchdringlichen und nahezu menschenleeren Raum zwischen Eutin und dem Bungsberg zu kolonisieren.
Vom späten Mittelalter bis in das 20. Jahrhundert hinein ist die Geschichte Kasseedorfs eng mit dem Gut Stendorf verbunden. Zu dem bereits im 15. Jahrhundert urkundlich erwähnten Gut gehörten bis in das frühe 20. Jahrhundert hinein nicht nur die imposante Gutsanlage, eine Meierei und zahlreiche Landarbeiterwohnungen. Darüber hinaus erstreckte sich der Gutsbezirk auch auf die Dörfer Kasseedorf, Sagau und Griebel sowie auf die Meierhöfe Bergfeld und Vinzier.
1639 gelangt Stendorf, nachdem es im Verlauf des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit den adligen Familien Brockdorff, Ratlow, Sehestedt und Ahlefeldt gehörte, für 92.000 Taler in den Besitz des heutigen großherzoglich-oldenburgischen Hauses. Es war damit das erste Gut, das der aus dieser Familie stammende und in Eutin residierende Fürstbischof Hans von Lübeck erwarb.
Seit diesem Jahr bildet der insgesamt 3370 Hektar große Stendorfer Gutsbezirk gemeinsam mit den ebenfalls um die Mitte des 17. Jahrhunderts erworbenen Gütern Mönchneversdorf und Lensahn einen „immerwährenden Fideikommiss“, d.h. einen unveräußerlichen und unteilbaren Familienbesitz, der bis zur Auflösung der Gutsbezirke 1928 bestand hatte und durch Zukäufe im Verlauf der Jahrhunderte 13 Güter mit einer nahezu zusammenhängenden Fläche von rund 18.000 Hektar umfasste.
Am Kopfende des Wirtschaftshofes befindet sich das sogenannte Verwalterhaus. Es steht auf der gleichen Stelle und auf den gleichen Fundamenten des ursprünglichen Herrenhauses, das bis in das 18. Jahrhundert hinein von einem Wassergraben umgeben und nur über eine Brücke erreichbar war. Sein jetziges Aussehen erhielt das erste Stendorfer Herrenhaus um 1750 im Rahmen einer grundlegenden Umbau- und Renovierungsphase.
1784 wurde die gesamte Feldflur des Gutsbezirkes Stendorf neu vermessen. In den folgenden Jahren wurde auf der Grundlage des dadurch entstandenen Messregisters für alle Weide- und Feldstücke die so genannte Feldgemeinschaft aufgehoben. So erhielt jeder Hufner (Bauer) einen fest umrissenen Teil an sowohl gutem als auch schlechtem Acker- und Weideland zur eigenen Bewirtschaftung erhielt. Da jedes Flurstück als Begrenzung mit einer dichten Wallhecke umgeben wurde, ist durch die als „Verkoppelung“ bezeichnete Reform die Knicklandschaft geschaffen worden.
Seit dem frühen 16. Jahrhundert prägte die Leibeigenschaft nicht nur das soziale bzw. das gesamte gesellschaftliche System in den östlichen Landesteilen Schleswig-Holsteins, sondern sie war darüber hinaus auch die Grundlage für das gutswirtschaftliche Betriebssystem. So waren z.B. die leibeigenen Bauern Kasseedorfs verpflichtet, täglich mit einer bestimmten Anzahl an Knechten und Gespannen auf den Stendorfer Ländereien zu pflügen, zu ernten oder zu säen. Am 1. Mai 1805 wurden die im Gutsbezirk lebenden Menschen vom „Joch der Leibeigenschaft“ befreit. Diese oft als „Bauernbefreiung“ bezeichnete Reform brachte zwar die persönliche Freiheit, die Besitzverhältnisse blieben jedoch unberührt, so daß jeder Hufner auch weiterhin in einem starken Abhängigkeitsverhältnis zum Stendorfer Gutsbesitzer stand, weil sowohl die Bauernstellen als auch das dazu gehörige lebende und tote Inventar zum Fideikommiss gehörten.
Nachdem die großherzoglich-oldenburgische Güteradministration bereits 1841 Pläne für die Verpachtung Stendorfs ausgearbeitet hatte, übernahm 1844 Detlef August Drenckhan den 591 Hektar großen Haupthof als Pächter. Die Familie Drenckhan bewirtschaftete Stendorf bis zum Verkauf des Gutes über vier Generationen. Neben dem Ackerbau spielte auf Stendorf traditionell die Milchwirtschaft eine wichtige Rolle. In den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts wurde die Milch von rund 250 Kühen in der Stendorfer Meierei nicht nur zu Butter, sondern auch zu Kondensmilch verarbeitet, die in Dosen verpackt bis nach Afrika exportiert wurde.
Auf dem so genannten Schafsberg, einer Anhöhe direkt am Stendorfer See, wird ein imposantes, aber nicht gerade schönes schlossartiges Gebäude errichtet, das in den folgenden Jahrzehnten allerdings nicht dauerhaft bewohnt, sondern nur sporadisch als großherzogliches Jagdschloss genutzt wurde.
Das Gut Stendorf wird über die „Höfebank“ an den aus Hamburg stammenden Marius Böger verkauft. Die Familie Böger bewirtschaftete das Gut über drei Generationen. Des Weiteren modernisierte sie den landwirtschaftlichen Betrieb und verbesserte mit umfangreichen Renovierungs- und Neubaumaßnahmen die Wohnbedingungen der zum Gut gehörenden Landarbeiterkaten.
Marius Böger lässt das Jagdschloss nach Plänen des Malenter Architekten Schulze komplett umbauen. Seitdem präsentiert sich das Stendorfer Herrenhaus in seiner klaren, nahezu klassischen Linienführung als architektonisches Kleinod in einer malerischen Landschaft.
Die Gärtnerei ist ein wichtiger Wirtschaftszweig des Gutsbetriebes. Von den insgesamt 78 Beschäftigten auf Stendorf arbeiten allein 25 in der Gärtnerei. In den zahlreichen Gewächshäusern wachsen Pflanzen heran, die bis nach Amerika exportiert werden.
Dr. Marius Böger, Sohn des Erwerbers, modernisiert die Milchwirtschaft und lässt den Kuhstall mit Europas modernster Rohrmelkanlage ausstatten. Nur acht Jahre später wird die Milchwirtschaft auf dem Gut eingestellt, weil die stetig steigenden Produktionskosten in keinem Verhältnis zu den erwirtschafteten Gewinnen mehr standen.
Die Gutsgärtnerei wird aufgrund sinkender Rentabilität (hohe Lohn- und Heizkosten für den Betrieb der Gewächshäuser) geschlossen.
Eigentümer ist inzwischen ein Hamburger Kaufmann. Nachdem die Landwirtschaft noch einige Jahre vom Gut aus betrieben wird, entschließt sich der neue Besitzer die Ländereien zu verpachten.
Zusammen mit der Landesdenkmalpflege und einem Architekturbüro wird ein umfassendes Sanierungskonzept für Stendorf beschlossen: Es beginnt eine der historischen Bedeutung Stendorfs verpflichtete Restaurierung der gesamten Guts- und Dorfanlage, die die nächsten zehn Jahre in Anspruch nehmen wird.
Die Gutsverwaltung erwirbt das Gut Johannistal bei Heiligenhafen. Der Betrieb hat eine Größe von ca. 200 Hektar.
Die Eigentümer entschließen sich die seit fast 20 Jahren fremdbewirtschafteten Flächen in die Eigenbewirtschaftung zu nehmen. Hierzu werden weitere Investitionen für den Neubau einer kombinierten Maschinen- und Werkstatthalle mit Ersatzteillager getätigt. Weiterhin wird eine neue landwirtschaftliche Maschinenausstattung angeschafft und der personelle Bereich um 3 Mitarbeiter verstärkt.
Durch den Zukauf der landwirtschaltlichen Flächen und der Forste des Gutes Weissenhaus bei Oldenburg in Holstein, wird der Betrieb um weitere 400 Hektar erweitert.